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Jürgen Haag - Schlagzeug oder Computer?

Zuerst dachte ich über diesen überdurchschnittlich korrekten Menschen, der den Verlust seines Laptops als eine Enthauptung werten würde, gebe es nicht viel zu berichten. Doch beschäftigt man sich näher mit der Person Jürgen Haag und versucht die Psyche und die Vergangenheit dieses Ausnahmetalents zu entwirren, so stellt man sehr schnell fest, dass man wie auch bei Hermann ein gewisses Maß an Vorsicht im Umgang mit ihm an den Tag legen sollte. Wie und warum er in die geschlossene Abteilung der Landesnervenklinik kam, lassen wir einfach mal aus. Jedenfalls kam er nach einem mehrjährigem Aufenthalt mit 18 Jahren, einem Gewicht von 187 Kg und einem beachtlichen Startkapital (dass er sich durch das abknabbern zu langer Fußnägel der anderen Bekloppten verdient hatte) zurück ins Leben. Wo auch immer er die Unterschrift her hatte? Keine Ahnung. Man erklärte ihn für Gesund und die Welt stand ihm offen. Doch was macht man mit 187 Kg und einem nicht von der Hand zu weisendem Dachschaden? Bewirbt man sich auf dem Bau als Abrissglocke? Geht man als Sumoringer nach Japan? Oder wird man besser eine mobile Schleuse im Rhein- Main-Donaukanal? Was für eine Perspektive!

Für einige Monate arbeitete Jürgen im Bonner Schlachthof, wo er mit der Aufgabe betreut wurde, jeden Tag ca. 2500 Kälbern die Köpfe abzuhacken. Das war dann wohl auch der Moment, wo er seine Leidenschaft für die klopfenden Geräusche bemerkte. Er entdeckte in diesem makaberen Szenario und bis zu den Knien in Blut stehend sein Rhythmusgefühl und perfektionierte es derart, dass er durch seine Technik sein Tagespensum auf fast 3000 Kälber ausdehnen konnte. Wahnsinn! Trotz dieses Erfolges kündigte er seinen Job und kaufte sich sein erstes Schlagzeug. Er zog zu seinen Großeltern, heiratete kurz entschlossen um den Anschein eines normalen Lebens zu wahren, und ließ sich von seiner Frau in die Geheimnisse der Bürokratie und dem Umgang mit Computern einweihen. Jürgen schloss sich für 258 Tage in seinem Keller ein, perfektionierte seine Schlagzeugtechnik und kam nur zu poppen aus seinem Kellerloch. Über dieses trommeln und poppen vergaß er leider zu essen und wog nach dieser wirklich harten Zeit nur noch 37 Kg. Er arbeitete (wieder um den Schein zu wahren) als Buchhalter in einer Anstalt für Nervengeschädigte. Doch als seine Frau schwanger wurde, zwang sie ihn aus Angst nur von seinem kläglichen Buchhaltergehalt leben zu müssen, mit dem selben Ausbeuter der schon Hermann in seinen Fängen hatte, durchs Land zu ziehen und mit Tanzmucke Kohle ran zu bringen. Wenigstens gab es da wo sie spielten immer was zu essen. So kam er zumindest auf ein normales Gewicht.

Nach Jahren unter der Herrschaft dieses Tyrannen, unzähligen Gigs und Bergen von Kohle die er nach hause brachte, sagte ihm seine Frau, dass sie nun reich genug sind und fast alles haben was sie brauchen. Sie wolle nur noch ein zweites Kind und dann könne er machen was er will. Und so geschah es dann auch. Jürgen konnte zwar niemanden mit einem Bann belegen, doch kündigte er bei der Schnulzenformation und fand seine neue Berufung als Schlagzeugvirtuose bei der EIGHT-BALLS Rockband.

Geschafft!!!